Besuch bei der Glasmanufaktur in Buttikon


Glas liegt im Trend? Klar, und bei der Glasmanufaktur Buttikon ist das sogar schon seit 1936 so. Und auch wenn der Werkstoff nach über 80 Jahren immer noch derselbe ist, so haben sich die Geschäfte doch verändert. In welche Richtung, darüber sprechen wir mit Marcel Müller, Geschäftsleitungsmitglied und Miteigentümer, und mit Michael Gmür, technischer Sachbearbeiter.

Als die Herren Fritz Lerch und Alfons Rothacher im Jahr 1936 die Glasmanufaktur Buttikon AG gründeten, konnten sie unmöglich wissen, dass dieses durchsichtige Material, aus dem im Grunde nicht viel mehr als Fenster und Spiegel gefertigt wurden, zwei Generationen später fast überall im Haus verbaut werden würde. Im Bad als Duschkabine, in der Küche als Rückwand und im Hausflur als Tür, Geländer oder Treppe. Ja, ganze Häuserfassaden werden heute verglast.
Der aktuelle Trend zum Glas am Bau ist auch nicht ganz so jung. Schon seit etwa 20 Jahren steigt der Fokus auf Glasbau stetig an, schätzt Marcel Müller, der als Urenkel von Fritz Lerch und heutiges Geschäftsleitungsmitglied die Entwicklung ganz aus der Nähe verfolgen konnte. «Glas profitiert von der Nachfrage nach grossen, offenen Räumen», erklärt Müller. «Denn Glas trennt Räume, ohne sie zu trennen. Im Gegenteil: Gerade Bäder wirken durch Glasscheiben und Spiegel oft grösser.»

Doch nicht nur der Trend zum Glas belebt das Geschäft. Hinzu kommt, dass die Umbauzyklen deutlich kürzer geworden sind. Im Gegensatz zu früher können sich die Kunden heute öfter ein neues Badezimmer oder eine neue Küchenrückwand leisten. «Und dabei muss alles immer schneller gehen. Aber genau das ist unser Vorteil», so Müller. «Denn wir sind vor Ort, wir sind schnell und wir sind flexibel.» Gmür ergänzt: «Nicht selten bekomme ich einen Anruf vom Bauleiter oder Architekten, dem noch ein bestimmtes Bauteil für die Montage am nächsten Tag fehlt. Dann können wir sehr schnell reagieren. Auch dank Partnern wie OPO Oeschger.» Vor sechs Jahren hat der Grosshändler aus Kloten sein Kompetenzcenter Glas & Metall gegründet.

Seit vier Jahren fährt Roland Blank, Aussendienstmitarbeiter bei OPO Oeschger, ein- bis zweimal im Monat in Reichenburg vorbei, um zu beraten, neue Produkte vorzustellen und die nächsten Aufträge zu besprechen. «Als gelernter Metallbauer komme ich aus der Branche und kann meine Kunden auch dementsprechend beraten», so Blank. «Ausserdem bereitet es mir sehr viel Freude, zu sehen, wo unsere Produkte zum Einsatz kommen, und zu helfen, wenn es technisch besonders herausfordernd oder terminlich mal wieder knapp wird.» Sowohl den 18- Uhr- als auch den Innight-Service von OPO Oeschger weiss Gmür zu schätzen. «Wenn ich am Abend erfahre, dass wir am nächsten Morgen ganz bestimmte Beschläge brauchen, dann weiss ich, sie stehen um sieben in der Früh am Wareneingang parat.»

Hauptmittler der Glasmanufaktur Buttikon sind Generalunternehmer, Planer, aber auch Sanitäre, Schreiner, Private und Metallverarbeiter. «Unser Geschäft ist ein sehr persönliches», so Müller. «Deshalb investieren wir auch kein Geld in grosse Marketingaktivitäten, sondern laden unsere Kontakte lieber periodisch zu einem Apéro in unser Haus.

Die perfekte Gelegenheit für einen Rundgang durch unsere Ausstellung und ein Gespräch über die Zusammenarbeit und künftige Projekte.» Auf etwa 200 Quadratmetern präsentiert das Familienunternehmen hier Badeinrichtungen und Glasanlagen mit durchsichtigem, bedrucktem, farbigem oder satiniertem Glas. Und so kommen nicht nur Planer, um sich Inspiration zu holen, sondern auch Privatkunden. «Die Ausstellung wird sehr geschätzt», so Müller. «Der Kunde kann das Glas anfassen und die Anlagen bedienen. So erhält er ein Gefühl für das Produkt.» Hat ein Bauherr sein Traumbadezimmer gefunden und geplant, werden die Glasplatten in der Produktionshalle zugeschnitten und weiterverarbeitet bis zum Härtungsprozess im eigenen ESG-Ofen. Das Ausgangsmaterial – 6000 x 3210 Millimeter grosse Platten – bezieht das Unternehmen direkt von verschiedenen Glasherstellern. 

Schwieriger ist es, hochqualifizierte Fachleute zu finden, denn ausgebildete Glaser sind rar. «Den Lehrberuf gibt es zwar noch», so Gmür, selbst gelernter Glaser. «Doch im Jahr schliessen nur etwa 20 Lehrlinge diese Ausbildung ab.» Deshalb zieht sich das Familienunternehmen seine Fachkräfte selbst heran. «Wir stellen sehr gerne auch Schreiner oder Metallbauer ein», erklärt Müller. «Die lernen die Handgriffe dann von unseren Profis on the job.»
Insgesamt 46 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt die Glasmanufaktur Buttikon derzeit; etwa die Hälfte davon in der Produktion und in der Montage. Wachsen will das Unternehmen nicht. «Wir sind zurzeit sehr gut ausgelastet», so Müller. «Wachstum würde für uns bedeuten, dass wir noch einen zweiten Standort eröffnen müssten. Und das ist nicht geplant.» Lieber investiert das Unternehmen in den Bereich Automatisierung sowie in einen modernen Maschinenpark. «Wir haben eben eine neue Maschine eingerichtet, die die Auftragsdaten per Barcode einlesen kann», so Müller. «Das spart Zeit und hilft Fehler zu vermeiden.» Denn da liegt die grosse Herausforderung von Glas als Werkstoffe: Jeder Schnitt, jedes Loch ist final. Es kann nachträglich kaum noch etwas ausgebessert werden. Im Vergleich mit dem bodenständigen Holz und dem robusten Metall ist Glas also eine echte Diva. Aber das macht die Arbeit für Müller, Gmür und ihr Glasi-Team nur noch reizvoller.